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Vier Kontinente, drei Wochen, zwei Hochzeiten und ein falscher Flug — Teil II

Whulans exotische Traumhochzeit in Indonesien und ein FriendsMoon in Bali

Weit entfernte Destinationen sind eine Sache für sich. Die Flüge sollten wohl wissend gewählt sein, wenn man ohne ein Reisebüro den Transport plant. Dies war mir selbstverständlich bewusst und trotzdem hatte ich mich, wie bereits im ersten Teil offenbart, bei einem meiner Flüge innerhalb Asiens „verbucht“. 

Nun stand ich am Anfang meiner Reise und zwar in Miami am Flughafen. Meiner Meinung nach, hatte ich vorausschauend den Hinflug nach Jogjakarta bei einer Fluggesellschaft und nicht über ein vermittelndes online Reiseportal gebucht. Ich wollte nämlich weiß Gott nicht nach jeder Landung mein Gepäck abholen und abermals für eine neue Fluggesellschaft aufgeben. Am Schalter erfuhr ich dann von einer sehr unfreundlichen Frau, die für die Fluggesellschaft JetBlue die Abfertigung erledigte, dass ich erstens zu spät sei und zweitens mein Gepäck in Jakarta neu aufgeben müsse. Nachdem ich sie darauf aufmerksam machte, dass zwei Stunden nicht zu spät für den check-in eines Inlandsflugs seien, stimmte sie zu und musste feststellen, dass das Computersystem fälschlicherweise nur „L“ Tags für „Late“ herausgab. Bezüglich Letzterem dachte ich nur: toll, dass man bei der Buchung auf der Website die erneute Gepäckaufgabe auch angezeigt bekommt. 

Nun ja — toller Start bei einer 35 Stunden Reise. Los ging es also mit einer Low Cost Airline nach NY JFK. Diese Partnerairline hatte ich bei einer Buchung mit Qatar Airways eigentlich nicht erwartet. Das einzig Gute, es galten bei allen Partnern die Konditionen von QA, sodass ich in der Economy zwei Gepäckstücke à 32kg und 2 Handgepäckstücke mitführen dürfte.

Dank des verspäteten Abfluges in Miami war der Anschlussflug von NY nach Doha nicht mehr in allzu weiter Ferne. Vor dem Abflug suchte ich nun noch etwas Adäquates zum Abendessen. 

Überraschender Weise traf mein Gaumen im O‘Neils auf recht passables Essen. Die Preise waren durchaus moderat. 

Im Flugzeug ließ ich mich von der Beinfreiheit der Sitze begeistern und auch das Essen, welches zuvor in hübsch gestalteten Menükarten angekündigt wurde, war sehr zufriedenstellend. 

Angekommen in Doha musste ich feststellten, dass der brandneue Prachtbau–Flughafen zwar ziemlich nobel aussah, jedoch die gläsernen, raumschiffartigen Züge sowie der weltbekannte Werbepartner FC Bayern München nichts nützen, wenn das WLAN auf so einem high-tech Flughafen nicht störungsfrei funktioniert.

Empfang am Flughafen von Jogjakarta
Empfang am Flughafen von Jogjakarta

Schwamm drüber — Von Doha ging es alsbald weiter nach Jakarta. In Jakarta angekommen hatte ich zu meiner Überraschung so ziemlich als erster Passagier meinen „Late“ Koffer in der Hand, was ich nach zwei Stopps schon beachtlich fand. Nach einem Wechsel zum nagelneuen Inlandsterminal mit Jakartas noch neuerer Shuttlebahn, ging es mit Garuda Indonesia zur ersten Station meiner Reise: Jogjakarta. Wobei mich von hier noch eine knappe zweistündige Autofahrt nach Borobudur erwartete. Meinen Fahrer fand ich schnell, da meine Freundin Whulan die Hochzeitsgäste von ihrer Assistentin mit einem Namensschild in Empfang nehmen ließ. 

Der Borobodur Tempel ragt in der Mitte des Horizonts hervor.
Der Borobodur Tempel ragt in der Mitte des Horizonts hervor.

Im Resort angekommen wurde ich für die lange Reise auf Anhieb entschädigt. Nachdem ich die Treppen zur Rezeption empor gestiegen war, eröffnete sich auf der letzten Stufe ein atemberaubender Blick auf den gegenüber liegenden Borobudur Tempel, einem UNESCO Weltkulturerbe, welches ich die kommenden Tage von der Frühstücksterrasse des Restaurants bewundern durfte. Dieser Ort strahlte eine unglaubliche Ruhe aus, die sich auf das gesamte Areal ausdehnte. Es versteht sich von selbst, dass ich am Folgetag den größten buddhistischen Tempel der Welt  mit meinen Freundinnen aus Singapore zum Sonnenaufgang besichtigte. 

 

Der Borobudur Tempel bei Sonnenaufgang.
Der Borobudur Tempel bei Sonnenaufgang.

Abgesehen von den vielen Orten innerhalb der Hotelanlage, die mit ihrem Ausblick in die Natur, die vor sattem Grün strotzenden Bäume und dem tropischen Dunst zum Verweilen einluden, begeisterte mich meine gebuchte Unterkunft über alle Maßen.

Plataran Borobudur Resort & Spa
Plataran Borobudur Resort & Spa

Die im traditionellen für die Region Javas typischem Stil gebaute Hütte, versetzte mich in eine andere Welt. Umgeben von einem dschungelhaften privat-Garten, der durch eine hölzerne Pforte betreten werden konnte, grenzte an diese Hütte ein kleiner Jacuzzi, der durch die Gräser den Blick auf die Berge freigab. Unbeschreiblich! Ich fühlte mich wie in einem Refugium. 

Meine balinesische Holzhütte
Meine balinesische Holzhütte

Das Plataran Borobudur Resort kann ich daher für diejenigen, die nach positiver Energie und einer Erholungsquelle suchen, wahrhaftig empfehlen.

Der Blick auf die Berge
Der Blick auf die Berge
Der Veranstaltungsort der Hochzeit.
Der Veranstaltungsort der Hochzeit.

Dieses Resort war also Veranstaltungsort von Whulans Hochzeit. Was für eine großartige Wahl. Am Vorabend dieses wichtigen Events, hieß uns das zukünftige Brautpaar bei einem glamourösen Dinner in weiß willkommen. Das Essen war vorzüglich und ich konnte mein lang ersehntes Rendang verspeisen, ein klassisch indonesisches Fleischgericht mit Kokosmilch, welches übrigens zum wiederholten Male von CNN Travel auf Platz 1 der weltbesten Gerichte gewählt wurde. 

Rendang – indonesisches Fleischgericht.
Rendang – indonesisches Fleischgericht.

Der Jetlag, es handelt sich hier immerhin um einen Zeitunterschied von 12 Stunden, hatte mich an diesem Abend eingeholt, sodass ich mich kurz vor Mitternacht auf den Weg zu meiner "Garden Plunge Pool Villa" machte. Schließlich galt es am nächsten morgen um 5 Uhr aufzustehen, um für den Friseur bereitzustehen. Da ich zu den Brautjungfern zählte, wurden uns für die erste Hochzeitszeremonie des Tages traditionell die Haare frisiert. Die erste der zwei Hochzeiten war die religiöse Zeremonie, die nur für den engsten Kreis zugänglich war. Zu dieser trugen wir Brautjungfern passend zu den Haaren ebenso traditionelle Kleidung. Diese bestand aus einem Sarong, einem mit edlen Mustern bedruckten Tuch, dass wie ein Rock getragen wird und einem Kebaya, einem langen Oberteil, welches mit einer auffälligen Brosche in Höhe des Dekolletés verziert ist.

Das traditionelle Outfit mit Sarong und Kebaya.
Das traditionelle Outfit mit Sarong und Kebaya.

Unsere Aufgabe war es mit den Männern des Bräutigams die Geschenke der Familie in die Räumlichkeiten zu tragen und uns im Anschluss hinter dem Brautpaar aufzustellen. Eine spannende Erfahrung, bei solch einem kulturellen Ereignis dabei zu sein, das sich durchaus von den mir bereits bekannten Hochzeiten unterschied. Mir fiel beispielsweise auf, dass was ich unter einem Verlobungsring verstehe, zur Hochzeit geschenkt wurde und der für meine Begriffe „klassische“, schlichte Ehering bei der Verlobung seinen Einsatz fand. Whulan bestätigte mir auf meine Nachfrage, dass es in ihrem Kulturkreis so üblich sei und somit für mein Verständnis genau andersherum praktiziert wurde. 

Die Geschenke werden von den Brautjungfern und Trauzeugen hereingetragen.
Die Geschenke werden von den Brautjungfern und Trauzeugen hereingetragen.
Der Ring, den wohl die meisten der westlichen Hemisphäre Angehörigen als Verlobungsring erkennen würden.
Der Ring, den wohl die meisten der westlichen Hemisphäre Angehörigen als Verlobungsring erkennen würden.

Whulans Kleid war handgemacht. Sie trug einen aus Kristallen, echten Blüten und Knospen gefertigten Kopfschmuck, der an die Krone einer exotischen Königin erinnerte. Sie sah umwerfend aus! In einer muslimischen Zeremonie mit viel Sprechgesang wurde das Brautpaar schließlich vermählt. 

Whulan in der Maske. Der traditionelle Kopfschmuck aus Sumatra wurde ihr bereits aufgesetzt.
Whulan in der Maske. Der traditionelle Kopfschmuck aus Sumatra wurde ihr bereits aufgesetzt.

Die zweite Zeremonie, die für alle Gäste zugänglich war, fand am Abend des selben Tages statt. Hier wurde Whulan in ein neues, ebenfalls handgefertigtes Kleid mit einer pompösen Schleife im Rücken gekleidet. Wir Brautjungfern trugen ein schlichtes, blaues Wickelkleid, das wir wie das traditionelle Outfit von Whulan geschenkt bekommen hatten. Dazu trugen wir den Schmuck, den wir als Dank für unseren Dienst als Brautjungfern erhalten hatten. Diese Mühe und Fürsorge rührte mich zutiefst. Wer bereits auf mehreren Hochzeiten gewesen ist, wird wissen, dass dies keineswegs selbstverständlich ist. Auch für unser leibliches Wohl wurde während des Hochzeitswochenendes stets gesorgt. 

Das personalisierte Geschenk für die Brautjungfern.
Das personalisierte Geschenk für die Brautjungfern.
Whulans Kleid für die Hochzeit am Abend.
Whulans Kleid für die Hochzeit am Abend.

Bei dieser internationalen Feier war es unsere Aufgabe das Brautpaar zur Hochzeitsgesellschaft zu eskortieren. Hier erwartete uns eine traditionelle, tänzerische Darbietung, die viel Feuer und Scherben beinhaltete. Die in prachtvolle Kleidung gehüllten Tänzerinnen sprangen dazu auf Porzellanscherben, die wie in anderen Religionen und Kulturen, zum Beispiel im Judentum oder dem in Deutschland bekannten Polterabend Glück bringen sollen. Im Anschluss an diese traditionellen Tanzkünste ging es weiter zu einer Empore, wo sich das Brautpaar niedersetzte und ich zu meiner Ehre neben das Brautpaar. Nachdem viele Reden gehalten wurden lockerte sich die Stimmung und das Buffet wurde eröffnet. Köstliche Padang Cuisine aus Whulans Heimatregion wurde aufgetischt und auch die Tanzfläche füllte sich. 

Zum Abschluss ließen wir Himmelslichter aufsteigen, wobei uns der Wind kein Helfer war.

Tänzerin mit Kerzen.
Tänzerin mit Kerzen.
Whulan und ich kurz vor der zweiten Zeremonie.
Whulan und ich kurz vor der zweiten Zeremonie.

Allumfassend war diese Hochzeit auch für mich ein einzigartiges, unvergessliches Erlebnis, das ich nicht missen möchte. Das Kennenlernen anderer Sitten und Traditionen, Länder und ihrer Kulturen hat mich schon immer begeistert. 

Ich habe unter anderem festgestellt, dass bei Hochzeiten in dieser Größenordnung im asiatischen Raum viel Organisation von Nöten ist und viel Stress und Druck auf dem Brautpaar lastet, das letztlich einem Superstar–Pärchen gleicht, welches seinen Auftritt vor dem Publikum standesgemäß performt. 

Es steht also außer Frage, dass nach solch einer Hochzeit die Flitterwochen folgen müssen. Da noch weitere Freunde aus den USA angereist waren, die ebenfalls die Hochzeit mit einer kleinen Rundreise verbinden wollten, flogen wir alle gemeinsam weiter. Anstelle eines Honeymoon folgte deshalb ein "Friends-oder Minimoon".  

Es ging nach Bali — Was für eine Insel! 

Was ich in Bali erlebt und gesehen habe, findest du in meinem gesonderten Reisebericht. 

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Comments: 4
  • #1

    Bea (Monday, 02 April 2018 12:14)

    Was für ein unglaublich tolles Erlebnis!

  • #2

    Onkel (Monday, 02 April 2018 14:54)

    Da liegt das Level für die eigene Hochzeit jetzt aber hoch �

  • #3

    Anne Julia (Tuesday, 03 April 2018 19:27)

    @Bea: Freut mich, dass dir der Beitrag gefällt! :)

    @Onkel: Also ich weiß schon wo und wie — nur noch nicht wann!
    Über den Ort habe ich hier bereits einen Blogeintrag verfasst... ;)

  • #4

    Anne (Wednesday, 04 April 2018 12:48)

    Da wäre ich gerne dabei gewesen. Echt beeindruckend! �